Stalker/Material

7 Kanal Video-Sound-Installation
2015, 39:00 min. Loop, HD-Projektion, synchron

24. Februar 2015 bis 10. Mai 2015

Neue Sächsische Galerie Chemnitz

Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Ausstellungsansicht, © Neue Sächsische Galerie, 2015
Tarkowskij bei den Dreharbeiten zu ‚Stalker‘, © Arvo Iho, 1979

Video: Ulrich Polster
Sound: Boris Vogeler, Ulrich Polster
Field Recording: Sylke Blumstengel, Ulrich Polster
Special Thanks: Liis Kolle, Arvo Iho, Philipp Siegel
ergänzende Ausstellung mit Recherchematerial des Künstlers und historischem Material (1979) zur Entstehung von Andrej Tarkowskijs Film "Stalker"
Erstpräsentation der Installation STALKER/MATERIAL


Ulrich Polster entwickelte in den letzten Jahren zunehmend umfangreichere Werke aus mehreren, parallel laufenden und formal eng miteinander verknüpften Videoprojektionen. Seine Ästhetik verschränkt Mittel des Films, der Reportage und der Malerei. Sie wird bestimmt von einem sicheren Gespür für die pulsende Zeit und von seinem Vertrauen auf die Wirkungskraft der Langsamkeit der Bildwechsel. Mit dieser Komplexität im künstlerischen Denken nimmt er eine überregional singuläre Position in der Kunstlandschaft ein. Die Neue Chemnitzer Kunsthütte stellt den Künstler erstmals mit einem neu produzierten Werk vor. Sie hat die Produktion der Mehrkanalinstallation gefördert und realisiert eine erste umfang­reichere Publikation zum Werk des Künstlers.

Im Projekt Stalker/Material, das in der Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie seine Erstaufführung erlebt, beschäftigt sich der Künstler mit dem gleichnamigen Film (Stalker, 1979) von Andrej Tarkowskij. Ausgangs­punkt ist eine Begegnung mit einem der letzten Überlebenden der Produktionscrew von damals, Arvo Iho. Mit ihm gemeinsam besucht er die markanten Drehorte für die Landschaft der Zone und die verfallene Wirtschaftsanlage.
Die Mehrkanalprojektion Ulrich Polsters verbindet die Neubegehung der alten Schauplätze mit formalen Analogien zum Ursprungsfilm, dazu Interviewsequenzen und heutige Nutzungen der Drehorte. Die Wandlungen seit damals sind gewaltig. Das verfallene Industrieareal etwa liegt in einem der prosperierendsten Stadtviertel Tallinns. Die Ruinen halten sich gerade noch, von teuren Stahl-Glas-Neubauarchitekturen der letzten Jahre umstanden. Investoren drängen bereits in das Backsteinviertel und beginnen, es in Kulissen für schicke Lofts und Ateliers zu verwandeln.

Die Arbeit Polsters nimmt die Metamorphose auf allen Ebenen auf und führt sie vor. Künstlerisch setzte Tarkowskij auf die gründliche Verwandlung seiner Sets für die atmosphärisch-glaubhafte Wahrnehmung der inneren Bewegungen seiner Helden. Reale Wandlungen haben in den letzten Jahren das Lebensgefühl am gleichen Ort grundlegend verändert. Benutzungen durch die Menschen werden ihn weiter unerwartet verändern. In der verlangsamten Projektion Ulrich Polsters wird vor allem mit nonverbalen Elementen die stete Metamorphose sichtbar. In der Loslösung des Tones vom Bild und mit den drastischen, assoziativ geführten Schnitten und der Einstreuung von Dokumentarmaterial benutzt Polster Mittel des Filmes ähnlich wie Tarkowskij, geht jedoch mit der gleichzeitigen Projektion verschiedener Szenen eigene Wege.

Die Ausstellung wird ergänzt um Recherchematerial zum Projekt, frühere fotografische Arbeiten Ulrich Polsters, ein Interview mit Arvo Iho aus der Produktionscrew von ‚Stalker‘ sowie dessen Bildmaterial aus Andrej Tarkowskijs Arbeit am Film.
Das Katalogbuch wird neben Stalker/Material die wichtigsten Mehrkanalinstallationen des Künstlers vorstellen. Es enthält Textbeiträge von Claus Löser, Arvo Iho und Mathias Lindner.
weiteres: www.ulrichpolster.com.

Biografie
1963 geboren in Frankenberg
lebt und arbeitet in Leipzig/Berlin
2011 Arbeitsstipendium des Freistaates Sachsen I 2010 „Operare“ Realisierungswettbewerb der Zeitgenössischen Oper Berlin I 2008 Filmarbeiten in China (Shanghai, Innere Mongolei, Xinjiang) I 2007 Filmarbeiten in Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien I seit 2005 Kurator der Künstlerresidenz „Blumen“. Leipzig I 2006 Arbeitsstipendium des Freistaates Sachsen I seit 2002 Lehrauftrag, Gutenbergschule, Leipzig I 2002 - 2007 Lehrauftrag für Medienkunst und Fotografie an der Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig I 2002 DAAD Stipendium Russland (Rostov am Don, St. Petersburg) I 2001 - 2003 Meisterschüler bei Prof. Astrid Klein, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig I 2000 - 2001 Studium, Bildende Kunst, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig I 1997 - 1998 Combined media studies, Chelsea College for Art & Design, London I 1996 - 1997 Arbeitsaufenthalt, New York I 1993 - 1995 Fotografiestudium, Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig I 1991 - 1992 kulturpädagogische Ausbildung I 1989 - 1992 freier Fotograf I 1983 - 1989 wechselnde Tätigkeiten I 1980 - 1983 Berufsausbildung zum Nachrichtentechniker

Einzelausstellungen
2013 Shaoxing Lu, Westwerk Hamburg I 2013 Notturno (2013), Galerie Jocelyn Wolff, Paris I 2009 MODELL, Traders Pop Gallery, Maastricht I 2008 ZAUM, OSCAR e.V. - Galerie für zeitgenössische Kunst und Kultur , Chemnitz I 2008 ZAUM-MATERIAL II, Künstlerhaus Bethanien, Berlin, Kurator: Christoph Tannert I 2007 ZAUM-MATERIAL, Galerie Jocelyn Wolff, Paris I 2005 Gehen III, Plattform, Berlin, Kuratoren: Alexander Koch, Ulrike Kremeier I 2004 Fragment I, Galerie Jocelyn Wolff, Paris I 2004 Fragment III, Traders Pop Gallery, Maastricht I 2004 Fragment V, Frost, Galerie Jocelyn Wolff, Paris I 2003 Sadowaya, Projektgalerie Kunstverein Elsterpark, Leipzig I 2003 Chambre bleue, LFN Galerie, Leipzig I 2002 La Vie, B2 Galerie, Leipzig I 2000 TIMOKA, Projektraum Alte Leipziger Versicherungen, Leipzig I 1999 See ohne Fische, City Galerie, Castres I 1992 Die Verbrüderung der Frontsoldaten II, Galerie Apotheke, Chemnitz I 1991 Die Verbrüderung der Frontsoldaten I, Galerie Brotfabrik, Berlin, Kuratorin: Inka Schube I 1988 Ohne Titel, KINO Schauburg, Leipzig


Katalog

Begleitprogramm

Dienstag, 10. März 19 Uhr
Filmvorführung: Stalker (1979) von Andrej Tarkowskij

Samstag, 18. April 19 Uhr
Wie der "Stalker" entstand

Dienstag, 5. Mai 19 Uhr
Ulrich Polster im Gespräch, mit Vorstellung weiterer Videoarbeiten des Künstlers

Museumspädagogische Angebote

Medienworkshop unter Mitarbeit von BINARIO STERN
(für Gymnasium Kl. 8 - 12)




Öffentliche Führung dienstags 17 Uhr


Pressemitteilung

Videostills aus STALKER/MATERIAL, © Ulrich Polster, 2015

Bildmaterial: © Ulrich Polster, Videostills aus: Stalker/Material, Videomehrkanalprojektion, 2015

Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, dem Kulturbüro der Stadt Chemnitz und dem Neue Chemnitzer Kunsthütte e.V.. Mit Unterstützung von Philipp Siegel und O. & T. Gerüstbau Chemnitz.

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